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NDR berichtet falsch über Bandenkriminalität in Schweden

Ein Zuschauerbrief:

Sehr geehrte Damen und Herren des NDR,
ich schreibe Ihnen heute in großer Empörung bezüglich Ihres kürzlich veröffentlichten Berichts über Bandenkriminalität in Schweden, der in der Sendung Weltbilder vom 30. September 2023 ausgestrahlt wurde. Es ist äußerst beunruhigend, dass in Ihrem Bericht kein einziges Mal das Wort „Migration“ oder „Migrationshintergrund“ erwähnt wurde, obwohl es allgemein bekannt ist, dass die Bandenkriminalität in Schweden hauptsächlich von jungen Migranten verübt wird. Der Bericht beschreibt die besorgniserregende Lage der Bandenkriminalität in Schweden und die Bemühungen eines Fußballtrainers, Jugendliche davor zu schützen. Ein tragisches Beispiel wird genannt: der 15-jährige Elias, der an einem U-Bahnhof erschossen wurde. Dennoch verschweigt Ihr Bericht wichtige Informationen, nämlich dass die Mitglieder dieser Banden größtenteils junge Männer aus dem Nahen Osten und Afrika sind, oft Einwanderer der ersten oder zweiten Generation. Dies ist eine relevante Tatsache, die nicht ignoriert werden sollte. Es ist äußerst enttäuschend, dass der NDR die Gründe für diese Bandengewalt nicht angemessen behandelt hat. Die Auswirkungen der freizügigen Einwanderungspolitik Schwedens und die Herausforderungen der Integration sind entscheidende Faktoren bei der Bekämpfung der Bandenkriminalität. Ihr Bericht sollte nicht dazu beitragen, diese wichtigen Aspekte zu verschleiern. Die Verweigerung der Erwähnung von „Migration“ oder „Zuwanderung“ in Ihrem Bericht wirft Fragen zur Objektivität und Verantwortlichkeit des NDR auf. Es ist unerlässlich, dass Medien die Realität klar und umfassend darstellen und nicht selektiv Informationen präsentieren. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, alle relevanten Fakten zu kennen, um fundierte Meinungen bilden zu können. Ich fordere den NDR nachdrücklich auf, in Zukunft transparenter und ausgewogener über Themen wie Bandenkriminalität und deren Ursachen zu berichten. Es ist von größter Bedeutung, die öffentliche Debatte ehrlich und fair zu führen.

Mit besten Grüßen Dr. Mathis Christian Holzbach

Der Beitrag war zunächst im ARD-Weltspiegel vom 24.09.2023 erschienen, Der NDR antwortete wie folgt:

Sehr geehrter Herr. Dr. Holzbach,

vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen zu unserer Sendung und dem Beitrag über den Umgang mit durch Bandenkriminalität gefährdeten Jugendlichen in Schweden.

In unserer Reportage, die wir am 24.09. im ARD Weltspiegel gesendet haben und die wir in den NDR-Weltbildern wiederholt haben, haben wir uns bewußt auf einen Nachwuchstrainer konzentriert, der in seinem Umfeld versucht, die Anwerbung Jugendlicher durch die organisierte Kriminalität zu verhindern. Und der uns aus seiner sehr persönlichen Sicht sehr klar aber eben auch differenziert schildert, wie er die Situation einschätzt.

Wir haben den Schwerpunkt NICHT auf die Hintergründe der Drogen-Kriminalität gelegt.

Darauf haben wir uns in vorhergehender Berichterstattung immer wieder fokussiert,

u. a. in den

– NDR-Weltbildern, 17.01.2023, „Bullerbü war einmal“,

– Weltspiegel Youtube „Gewaltwelle in Schweden“, 30.12.2022,

– „Atlas“ auf Youtube (auch eines unserer Auslands-Formate, das sich auf jüngere Zuschauer und Zuschauerinnen konzentriert) „Bandenkriminalität – Deshalb ist Schweden so gefährlich“

– ARD-Tagesthemen, 11.09.2022, „Kriminalität und die Chancen der Schwedendemokraten“. Die Liste liesse sich mit weiteren Programmangeboten sowohl in Hörfunk als auch im Fernsehen fortsetzen.

Seit 2016 habe ich selbst als Korrespondent über die Gewalt durch Drogen-Gangs berichtet, natürlich auch die soziologischen Hintergründe thematisiert.

Die jüngste aktuelle Berichterstattung nach den Plänen zur Einbindung des schwedischen Militärs aus der vergangenen Woche haben Sie sicherlich verfolgt, die Kollegen aus Stockholm beschreiben sehr deutlich die Hintergründe dieser fürchterlichen Entwicklung.

In dem von Ihnen kritisierten Film sehen Sie Jugendliche beim Training, dabei handelt es sich natürlich auch um Jungen, deren Familien eine Migrationsgeschichte haben, aber auch um Sportler, deren Familien seit jeher in Schweden leben und von denen auch viele leider in sozial und finanziell schwierigen Verhältnissen aufwachsen müssen. Für all diese Heranwachsenden sieht sich der von uns portraitierte Nachwuchstrainer in Verantwortung.

Als ARD-Korrespondent habe ich sechs Jahre lang in Stockholm gelebt, habe neben den regelmässigen Recherchen zu diesem Thema als Vater eines jugendlichen Fußballspielers an den Wochenenden alle schönen und auch die nicht ganz so schönen Fußball-Plätze und dazugehörigen Stadtteile noch einmal mit einem ganz anderen Blick kennengelernt. In diesen Stadtteilen, die im Rahmen des sogenannten Stockholmer „Millionen-Programmes“ in den sechziger Jahren gebaut worden sind, leben inzwischen viele Menschen, die zugezogen sind, aber auch Schweden, die sich wirtschaftlich und sozial selbst im Wohlfahrtsstaat Schweden zurückgelassen fühlen. Stadtteile wie das häufig genannte „Rinkeby“ oder das in unserem Film gezeigte „Falsta“ gibt es am Rande aller grossen Städte, es handelt sich um Hochhaussiedlungen, wie sie in den sechziger und siebziger Jahren an vielen Stellen entstanden sind.

Die von Ihnen genannte nicht gelungene Migration unterstützt das Entstehen krimineller Strukturen in diesem Umfeld, leider ist das Problem inzwischen ein komplexeres.

Erst in der vergangenen Woche wurden wieder mehrere Menschen getötet, die Berichterstattung geht inzwischen davon aus, dass international agierende Drogen-Banden z.B. von Istanbul aus mitentscheidend sind. Dies alles schildere ich Ihnen, weil wir natürlich davon ausgehen müssen, dass gescheiterte Integration und gescheiterte Sozialpolitik auch Verantwortung für dies alles hat, die Situation aber leider sehr vielschichtiger ist.

Unser Ansatz für den Beitrag war, über den Protagonisten den DIY-Versuch zu schildern, die jungen Männer von den Gangs fernzuhalten.        

Noch einmal vielen Dank für Ihre Kritik an unserer Sendung.

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