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Die Deutsche Welle erfindet Gefahren durch Endlager Gorleben

Die vier Jahrzehnte dauernde Desinformationskampagne des ÖRR gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie hat viele Blüten getrieben. Eine davon sind die verschwundenen Mädchen von Gorleben. Basis für diese auch in vielen anderen Medien verbreitete Falschmeldung ist eine Studie des Biomathematikers Hagen Scherp vom Helmhotz-Zentrum in München. Demnach wäre in der Nähe des Atomzwischenlagers Gorleben das Jungen-Mädchen-Verhältnis mit 109 zu 100 deutlich gestört, es fehlten an die 20.000 Mädchen.

Diese Behauptung wird durch die Fakten nicht belegt. Auf 100 geborene Mädchen kommen weltweit zwischen 102 und 109 Jungengeburten (von gewissen ostasiatischen Ländern abgesehen, wo Mädchen offensichtlich systematisch abgetrieben werden und der Jungenanteil nochmals höher ist). In den meisten Ländern schwankt diese Zahl zwischen 104 und 106. Für diese minimalen Veränderungen gibt es Dutzende bekannter Faktoren. So steigt etwa der Jungenanteil leicht mit dem Einkommen der Eltern oder dem Körpergewicht der Mutter. Dagegen nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Jungengeburt mit dem Alter der Mutter, der Zahl der Geschwister oder einer Umweltbelastung durch Pestizide ab. Daneben gibt es zahlreiche weitere Theorien, die mit den geringfügigen Schwankungen der Jungenquote gut vereinbar sind. In den Ländern Europas etwa korreliert der Jungenanteil positiv mit der Nähe zum Mittelmeer. In den meisten Fällen dürfte aber eine Variation der Jungenquote ein Produkt des Zufalls sein. In Gorleben etwa verschwindet der überhöhte Jungenanteil komplett, wenn man „Nähe zu Gorleben“ leicht anders definiert.

Allen systematischen Erklärungsversuchen ist gemeinsam, dass sie sich durch die vorliegenden Daten nie beweisen lassen. Bestenfalls lässt sich die Möglichkeit, dass all die genannten Faktoren einen Einfluss auf das Jungen-Mädchen-Verhältnis haben, nicht widerlegen. Die Theorie der Strahlenbelastung als Ursache erscheint aber besonders unplausibel, da die Strahlenbelastung aus natürlichen oder medizinischen Quellen diejenige aus Atomanlagen bei weitem übersteigt.

Siehe auch W. Krämer: „The human sex odds at birth after the atmospheric atomic bomb tests, after Chernobyl, and in the vicinity of nuclear facilities: Comment“ , Environmental Policy and Pollution Research 19 (4), 1332-1334, 2012.

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